Chronisch erschöpft – ist die Darmflora schuld ?

Eine veränderte Zusammensetzung der Darmflora könnte die Ursache für dauerhafte Müdigkeit, Erschöpfung und Abgeschlagenheit sein.

Wissenschaftler der Cornell Universität konnten einen Zusammenhang zwischen dem chronischen Erschöpfungssyndrom (CFS) und der Zusammensetzung der Darmflora belegen. Patienten mit CFS zeigen demnach ein deutlich verändertes Mikrobiom im Darm. Hiermit könnte ein neuer Schlüssel für das Verständnis und die Behandlung dieser Erkrankung gefunden sein.

Das Chronische Erschöpfungssyndrom kann mit den unterschiedlichsten Symptomen einhergehen. Die extreme geistige und körperliche Erschöpfung ist hierbei oftmals die auffälligste Symptomatik. Jede noch so kleine Anstrengung kann zu Abgeschlagenheit und Müdigkeit führen. Außerdem können Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Schlafstörungen sowie Gelenk-, Muskel- oder Kopfschmerzen, Appetitverlust sowie Magen- und Darmbeschwerden oder diffuser Schwindel auftreten.

Die genauen Ursachen der Erkrankung sind bisher noch ungeklärt und auch eine schnelle und exakte Diagnostik ist bislang relativ schwierig. Wissenschaftler waren in der Vergangenheit davon ausgegangen, dass es sich um eine psychische Störung handelt, weil viele Symptome einer Depression ähneln. Die Wissenschaftler der Cornell Universität haben mit Ihrer Untersuchung nun möglicherweise einen Gegenbeweis erbracht.

Nach Analysen von Stuhl- und Blutproben kamen sie zum dem Ergebnis, das CFS-Patienten eine deutlich geringere Bakterienvielfalt im Darm besitzen als gesunde Menschen. Insbesondere Bakterien, denen oftmals ein entzündungshemmender Effekt zugeschrieben wird, waren bei CFS-Patienten deutlich reduziert und Bakterien, denen vielfach ein entzündungsfördernder Effekt zugeschrieben wird, waren vermehrt vorhanden. Auch die Blutwerte der Betroffenen zeigten deutlich erhöhte Entzündungsmarker und könnten möglicherweise auf eine undichte Darmbarriere hindeuten.

Mit Hilfe ihrer Ergebnisse sei es nun möglich, eine Diagnose anhand der untersuchten Biomarker und der Bakterienvielfalt mit einer hohen Sicherheit zu stellen, sind die Forscher überzeugt. Sie konnten anhand der untersuchten Proben der Teilnehmer bei fast 83% der Betroffenen die Diagnose korrekt stellen. Die Wissenschaftler müssen nun jedoch noch klären, ob das veränderte Mikrobiom Auslöser oder Folge der Erkrankung ist.

Bei Menschen, die von einem Chronischen Erschöpfungssyndrom betroffen sind, könnte in der Vergangenheit z.B. eine Infektion oder eine Antibiotika-Einnahme die Darmflora beeinträchtigt haben. Andererseits wäre es auch denkbar, dass das veränderte Mikrobiom im Darm nicht Ursache, sondern Folge des CFS ist. Dies gilt es in Zukunft herauszufinden.

In jedem Fall können betroffene Menschen ihre Darmflora analysieren lassen. Ist das Mikrobiom tatsächlich geschwächt, könnten neben Ernährungsmaßnahmen zusätzlich gezielte therapeutische Maßnahmen zur Darmsanierung sinnvoll sein.

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Quelle: Ludovic Giloteaux, Julia K. Goodrich, William A. Walters, Susan M. Levine, Ruth E. Ley, Maureen R. Hanson. Reduced diversity and altered composition of the gut microbiome in individuals with myalgic encephalomyelitis/chronic fatigue syndrome. Microbiome, 2016; 4 (1)
microbiomejournal.biomedcentral.com/articles/10.1186/s40168-016-0171-4